„Zwischen Hoffnung und Enttäuschung – Was von Wandertag und „Euroando“ am Fichtelberg bleibt“
Der Artikel in der „Freien Presse“ zieht ein durchwachsenes Fazit zur Wanderwoche im Erzgebirge und den drei Wandertagen in Oberwiesenthal. Die Enttäuschung der Organisatoren kann ich durchaus nachvollziehen. Allein das Budget, das Oberwiesenthal für diese drei Tage aufgebracht hat, bewegt sich in einer Größenordnung, die für unseren Verband mehrere Jahre Arbeit bedeutet.
Als SWBV haben wir die EURORANDO in den vergangenen drei Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem TVE Annaberg-Buchholz unterstützt. Maßgeblich beteiligt war dabei Anni Borrmann, die sich intensiv in Organisation, Planung und Öffentlichkeitsarbeit eingebracht hat. Im September waren zudem viele unserer Mitglieder als Wanderleiter im Einsatz. Wir haben diese europäische Wanderveranstaltung gern unterstützt und unseren Teil zum Gelingen beigetragen.
Umso überraschender war für uns im Frühjahr die Entscheidung, zeitgleich zur EURORANDO auch den Deutschen Wandertag in Oberwiesenthal auszurichten. Synergien hin oder her: Zwei Veranstaltungen mit überregionaler Bedeutung lassen sich nicht allein dadurch erfolgreich verbinden, dass sie am selben Ort und zur selben Zeit stattfinden.
Die EURORANDO ist eine europäische Wanderveranstaltung, der Deutsche Wandertag das große eigentlich jährlich stattfindende Treffen des deutschen Wandertourismus und der Wandervereine, initiiert vom Deutschen Wanderverband. Beide Veranstaltungen haben ihre eigene Ausrichtung. Das zeigte sich schon bei den Plaketten: Wer an beiden Veranstaltungen teilnehmen wollte, musste auch beide Plaketten erwerben – den EURORANDO-Schwibbogen und die Plakette des Deutschen Wandertags „Bewegt verbunden“. Dass nur wenige Gäste beide Angebote nutzten, überrascht daher nicht.
Ein weiterer Punkt, der in vielen Gesprächen zur Sprache kam, war die fehlende Kommunikation mit den regionalen Akteuren des Wanderns. Der Deutsche Wanderverband hat in Sachsen nicht dieselbe Präsenz wie in anderen Bundesländern. Uns als Landesfachverband für das Wandern hatte im Vorfeld ebenfalls niemand angesprochen. Vermutlich war den Organisatoren die besondere Struktur des organisierten Wanderns in Sachsen nicht ausreichend bekannt. Schließlich ist es bei einem Deutschen Wandertag üblich, dass die ausrichtende Kommune die Veranstaltung übernimmt und Organisation, Planung, Durchführung und Kosten in eigener Verantwortung trägt.
Auch die mediale Berichterstattung ließ Fragen offen. Zeitweise entstand der Eindruck, der Deutsche Wandertag sei das Hauptereignis gewesen und die EURORANDO lediglich das schmückende Beiwerk. Dabei war es eigentlich genau andersherum.
Und dennoch: Es war ein fantastisches Wanderevent, hervorragend organisiert, mit einer wunderschönen Abschlussveranstaltung, einem Festumzug und einer Bergparade der Superlative. Dafür gebührt allen Beteiligten Anerkennung. Wenn die Verantwortlichen in Oberwiesenthal nun sagen: „Wir würden es nicht noch einmal machen“, ist das angesichts des Aufwands und der finanziellen Belastung nachvollziehbar. Die Stadt wird noch lange an diese drei Tage erinnert werden – nicht zuletzt durch die verbliebenen Plaketten und Wandersocken.
Was bleibt, sollte deshalb nicht nur an Besucherzahlen und verkauften Erinnerungsstücken gemessen werden. Entscheidend ist, welche Impulse eine solche Veranstaltung für die Region, die Wandervereine und das Wandern insgesamt hinterlässt. Dafür braucht es frühzeitige Abstimmung, eine klare Kommunikation und die Einbindung der Akteure, die das Wandern vor Ort ganzjährig mit Leben füllen. Ein großes Wanderereignis kann viel bewegen. Damit daraus etwas Dauerhaftes entsteht, müssen die richtigen Partner von Anfang an gemeinsam an einem Strang ziehen.
Andreas Meyer
Geschäftsführer des Sächsischen Wander- und Bergsportverbandes e. V.
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